Pommerscher Greif e.V.

Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte

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Dünnow als ostpommersche Heimstätte deutscher Kirchenorgelbaukunst

Von Hans BOLDT, Stolpmünde

Quelle: Ostpommersche Heimat Nr. 10 (1937), Beilage der Zeitung für Ostpommern

Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte ich vor mehreren Jahren in der Heimatbeilage der Zeitung für Ostpommern und in der Zeitschrift „Unser Pommernland“ Stettin die Geschichte der von  Christian Friedrich VOELKNER in Dünnow im Jahre 1859 gegründeten Orgelbauanstalt, der einzigen  Ostpommerns. Ich schilderte damals, wie sich aus kleinen bescheidenen Anfängen heraus das Unter- nehmen zu einer bedeutenden Fabrik entwickelte, deren Orgelwerke in vielen Kirchen unseres Vater- landes Aufstellung fanden. Unter den Fachgenos- sen seiner Zeit hatte der Name VOELKNER einen gu- ten Klang; besonders die Erfindungen VOELKNERs  auf dem Gebiete der Orgelbaukunst brachten ihm lebhafte Anerkennung ein. Beim Durchblättern alter Zeitungsbestände usw. stößt man auf zahlreiche Berichte, die die Leistungen VOELKNERs hervorheben und interessant genug sind, meiner obenbezeichneten Arbeit als Ergänzung hinzugefügt zu werden.

Schon im Jahre 1873 konnte die Kgl. Regierung  in Köslin VOELKNER empfehlen. Im Amtsblatt der Regierung von 1873, Stück 48, findet sich folgende Bekanntmachung:

„Nachdem wiederholt zu unserer Kenntnis gekommen ist, das der Orgelbauer VOELKNER in Dünnow den Bau von Orgeln zweckmäßig, sowie recht preiswürdig ausgeführt und daß derselbe auch in Fällen, wo die Raumverhältnisse der Aufstellung der Orgeln Schwierigkeiten entgegensetzen, diese durch sinnreiche Einrichtungen zu überwinden ver- standen hat, sehen wir uns veranlaßt, den p. VOELKNER für Orgelbauten zu empfehlen.

Köslin, den 13. November 1873.
                  
Königliche Regierung
    Abteilung für Kirchen- und Schulwesen.“

Es ist klar, daß durch solche Empfehlungen der Betrieb ständig wuchs. Im Jahre 1888 wurde in der Orgelbauanstalt die hundertste Orgel gebaut.

Die „Zeitung für Hinterpommern“ aus dem Jahre 1894 bringt an einer Stelle ein besonderes Lob VOELKNERschen Schaffens. Dort heißt es:

„Am 4. Januar 1894 wurde die von den Orgelbauern VOELKNER und SOHN in der Kirche zu  Paalow (Kreis Schlawe) aufgestellte Orgel vom Organisten an der St. Marienkirche zu Stolp (KUTZ) revidiert und abgenommen. Das neue Orgelwerk, welches die neuerbaute schöne Kirche ziert, enthält zwei Manuale und Pedal mit 14 Registern und ist nach einem neuen von VOELKNER sen. erfundenen röhrenpneumatischen System erbaut. Diese ist ein wohldurchdachtes, theoretisch durchaus richtiges. Spielart und Handhabung der Registrierung sind außerordentlich leicht. Angenehm und präzis. Die Intonation des Pfeifenwerkes ist mustergültig und dem Werk unserer größten Orgelbaumeister ebenbürtig zur Seite zu stellen. Hauptverdienst für die mustergültige Vollendung dieser Orgel gebührt zum größten Teil VOELKNER jun., welcher sein Wissen und Können durch ein unermüdliches Studium in  den grüßten Orgelbauanstalten Deutschlands  erworben hat.“

Wie weit der Name VOELKNER bekannt war, zeigt eine Notiz in der „Zeitung für Hinterpommern“ vom 15. Mai 1903, in der folgendes ausgeführt wird:

„Der Bau der neuen Orgel zu St. Marien in Rendsburg  (Schleswig-Holstein) ist der Kirchenorgel-Bauanstalt  P. B. VOELKNER in Dünnow übertragen worden, nachdem dieselbe Firma vor kurzer Zeit größere Orgelwerke für Remscheid und Daressalam (Deutsch- Ostafrika) geliefert hat. Für die Kgl. Ansiedlungskommisson ist aus den Dünnower Werkstätten im Laufe des letzten Jahres wieder eine ganze Reihe von Kirchenorgeln hervorgegangen, so daß gegenwärtig in mehr als 200 Gotteshäusern unseres Vaterlandes Dünnower Orgeln aufgestellt sind.“

Ebenfalls in der „Zeitung für Hinterpommern“ findet sich unter dem 1. Februar 1904 auch eine Mitteilung über die Orgel der Marienkirche in Stolp:

„Die Orgel in der St. Marienkirche in Stolp, die sich seit längerer Zeit in höchst traurigem Zustande befand, ist durch den Orgelbauer Paul VOELKNER (Dünnow) renoviert und  durch den Neubau eines dritten Manuals mit Schnellwerk bedeutend vergrößert worden. VOELKNER hat die nicht leichte Aufgabe trotz ungünstiger Verhältnisse in der Begrenzung des alten Orgelwerks meisterhaft und glänzend gelöst. Die Orgel hat jetzt 40 klingende Stimmen, die auf drei Manualen und einem Pedal zum Klingen gebracht werden. Sie ist nun ein vortreffliches Werk, nicht bloß nach innerer Vollendung, nach Tonfülle und Toncharakter.“

Diese Berichte von heimatgeschichtlicher Bedeutung rufen noch einmal die Erinnerung an die Orgelbauanstalt VOELKNER in Dünnow wach und  zeugen von den hervorragenden Leistungen dieser leider nicht mehr vorhandenen einzigen Kirchenorgel-Bauanstalt Ostpommerns.

Übertragen von Andreas Meininger

 
 
zuletzt geändert amMittwoch, 29. Dezember 2004 erstellt durch webmaster@pommerscher-greif.de 
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