Die familien- und ortsgeschichtliche Forschung lebt – in Pommern ebenso wie anderswo – davon, dass Wissen bewahrt, ergänzt und weitergegeben wird. Viele von uns haben über Jahre hinweg Informationen zu Orten, Familien und historischen Zusammenhängen zusammengetragen. Ein Themenfeld, das bislang jedoch noch vergleichsweise wenig im Fokus steht, ist die jüdische Geschichte Pommerns.
Seit einigen Jahren bietet sich eine besondere Möglichkeit, vorhandene Erkenntnisse sichtbar zu machen und mit anderen Forschenden zu teilen: über die Online-Plattform Jewish Places.
Was ist Jewish Places?
Jewish Places ist eine digitale Karte zur jüdischen Geschichte in Deutschland, den ehemaligen deutschen Ostgebieten und darüber hinaus. Das Projekt wird vom Jüdischen Museum Berlin getragen und lebt von Beiträgen aus Forschung, Regionalgeschichte und lokalem Wissen. Im Grundgedanken ähnelt die Plattform dem Wikipedia-Prinzip: Inhalte werden gemeinschaftlich zusammengetragen, ergänzt und fortlaufend erweitert.
Auf einer interaktiven Karte können Orte eingetragen werden, die mit jüdischem Leben verbunden sind, zum Beispiel:
- Synagogen, Friedhöfe und Schulen
- Wohnorte jüdischer Familien
- Geschäfte, Betriebe und Vereine
- Erinnerungsorte oder historische Ereignisse
Die Einträge lassen sich mit Texten, Bildern und Quellen ergänzen. So entsteht Schritt für Schritt ein vielschichtiges Bild jüdischen Lebens.
Eine besondere Chance für Hinterpommern
Ein Blick auf die Karte von Jewish Places zeigt schnell: Hinterpommern ist bislang nur punktuell vertreten, obwohl jüdisches Leben über Jahrhunderte hinweg Teil der regionalen Geschichte war.
Gerade hier – aber natürlich auch in anderen Regionen Pommerns – können Beiträge aus der genealogischen und regionalgeschichtlichen Forschung einen wichtigen Beitrag leisten. Viele Informationen liegen bereits vor – in privaten Sammlungen, Ortschroniken, Archivnotizen oder Familienunterlagen –, sind bislang jedoch kaum öffentlich sichtbar oder miteinander vernetzt.
Die jüdische Geschichte Hinterpommerns ist in vielen Bereichen noch nicht systematisch erschlossen. Umso wertvoller können auch kleinere Hinweise oder lokale Einzelbeobachtungen sein.

Wie funktioniert das Mitmachen?
Die Nutzung von Jewish Places ist unkompliziert:
- Kostenfreie Registrierung auf der Website
- Auswahl eines bestehenden Ortes oder Anlegen eines neuen Eintrags
- Eingabe der Informationen über ein übersichtliches Formular
- Ergänzung durch Bilder, Quellen oder Literaturhinweise (optional)
Auch kurze Einträge oder einzelne Hinweise sind ausdrücklich willkommen und können später erweitert werden.
Eigene Forschung einbringen
Viele von uns verfügen bereits über Materialien, die sich für eine Veröffentlichung eignen, etwa:
- Hinweise auf jüdische Einwohner oder Familien
- Fotografien von Friedhöfen oder Gebäuden
- Literatur- und Archivfunde
- Zeitungsanzeigen oder Adressbuchdaten
- eigene orts- oder familiengeschichtliche Forschungsergebnisse
Durch die Veröffentlichung auf einer zentralen Plattform erhalten solche Informationen eine neue Sichtbarkeit und können von anderen Forschenden aufgegriffen, ergänzt und weitergeführt werden.

Dann gehen wir es an!
Jewish Places ist ein offenes Projekt, das davon lebt, vorhandenes Wissen zusammenzuführen. Für die Erforschung gerade Hinterpommerns ergibt sich hier die seltene Gelegenheit, ein bislang nur teilweise erschlossenes Kapitel regionaler Geschichte breiter sichtbar zu machen.
Vielleicht beginnt es mit einem einzelnen Ort, einem Friedhof, einem Geschäft oder einem Familiennamen. Doch viele kleine Beiträge können gemeinsam ein deutlich vollständigeres Bild entstehen lassen – und dazu beitragen, die jüdische Geschichte Pommerns, insbesondere Hinterpommerns, dauerhaft im historischen Gedächtnis zu verankern.
