Die Kirche zu Kentz (Kreis Franzburg)
Quelle: Für Stadt und Land, Beilage der Greifswalder Zeitung, Heft 1, 1901
Das Dorf Kentz im Kreise Franzburg ist der Kirchort des aus 12 ländlichen Ortschaften bestehenden Kirchspiels Kentz. Am Abhange eines von der Küste sich weit in das Land erstreckenden Höhenzuges inmitten fruchtbarer Fluren freundlich gelegen, war es im Mittelalter ein weit über die Grenzen nicht nur der engeren pommerschen Heimat, sondern überhaupt der deutschen Lande hinaus bekannter Wallfahrtsort, zu dem ein wunderthätiges Muttergottesbild (Maria Pomerana) die Gläubigen herbeizog, um sie an einer nahen Quelle gesund werden zu lassen. Nach der Reformation war Kentz mit seinem Gesundbrunnen ein viel besuchter Badeort und der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Umgegend; erst mit dem Aufblühen der Ostseebäder verlor Kentz diese Bedeutung.
An die alte Zeit erinnern noch der lindenumrauschte Brunnenplatz mit dem Brunnen und die schattige, vierreihige Brunnen-Allee, die sich mitten durch das Dorf hindurchzieht.
Ganz besonders legt aber die altehrwürdige Kirche mit ihrem weithin sichtbaren Turm ein beredtes Zeugnis von der einstigen Bedeutung des Ortes ab.
Sie ist in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vermutlich aus den reichen Opfergaben frommer und dankbarer Wallfahrer auf einem festen Steinsockel in Ziegelrohbau gebaut und macht, trotzdem sie nur ein Schiff enthält durch die kühne Spannweite ihrer Kreuzgewölbe und durch die Idealität ihrer Maßverhältnisse mit den hohen spitzbogigen Fenstern und den zahlreichen Nischen, die durch die nach innen gezogenen Strebepfeiler rings an den Wänden gebildet werden, auf den Besucher einen ebenso stattlichen wie freundlichen Eindruck. Mit Recht gilt schon um seiner architektonischen Eigenart willen das Kentzer Gotteshaus als eine Zierde der pommerschen Provinzialkirche. (mehr …)







