Einem Mitglied der Pommern Familienforschungsgruppe bei Facebook fielen seltsame Altersangaben in Dezimalbrüchen bei Sterbeurkunden im Standesamt Stojentin auf. Da stirbt z.B. das Kind Paul Kasiske am 30. 12.1885 mit 6,063 Jahren.

Sterbeeintrag Stojentin 1885/28
Sterbeeinträge Standesamt Stojentin 1879 Nr. 48 und 49

Diese Angaben standen immer nur so da, wenn ein bestimmter Vertreter des Standesbeamten tätig war. Seine Unterschrift war auch schon außergewöhnlich, immer mit Doppelpunkt: R:Dannicke. Schullehrer mit Hang zur Mathematik? Nah dran, bei einer Trauung 1880 ist er Trauzeuge und wird als Buchhalter bezeichnet: Richard Da(e)nnicke

Richard Dannicke als Trauzeuge und Standesbeamter bei der Heirat Standesamt Stojentin 1880 Nr. 4

 

Wie rechnet man nun solche Altersangaben um? Es gibt sogar eine Formel

Wenn Sie einen Dezimalwert haben (z.B. 7,44 Jahre) und diesen aufschlüsseln wollen:
Monate: Die Nachkommastellen mal 12 nehmen ( 0,44 x 12 = 5,28 Monate).
Tage: Die neue Nachkommastelle mal 30 nehmen ( 0,28 x 30 = 8 Tage).
Ergebnis: 7 Jahre, 5 Monate, 8 Tage.

In unserem Beispiel wäre das Kind also (6,063 Jahre)
0,063 x 12 = 0,756 Monate
0,75 x 30 = 22,7 Tage

Todestag war der 30.12.1885, das Kind müsste also am 7.12.1879 geboren worden sein?
Und tatsächlich, der Knabe (Paul Wilhelm August Kasiske) war am 7.12.1879 in Stojentin geboren. (StA Stojentin Geburten 1879 Nr. 48)
Also eine äußerst korrekte Berechnung, aber konventionelle Altersangaben sind doch einfacher?

 

Es bleibt ein Rätsel, was diesen Herrn zu solch komplizierter Berechnungsart veranlasst hat.

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