Das Neue Tagblatt aus Stuttgart berichtete am 22. November 1894 immerhin auf seiner Titelseite diese nette kleine Geschichte:
Kluge Dohlen
Wie das alte Rom seine klugen Gänse hatte, so hat Schivelbein seine klugen Dohlen. Diese können nicht leiden, daß der Zeiger der Kirchturmuhr anders als auf 1/2 steht. Wird die Uhr auf volle Stundenzahl gestellt und der Zeiger nähert sich der ersten Viertelstunde, so fliegt flugs eine Dohle oder auch zwei auf den Zeiger. Dem Gesetz der Schwere folgend fällt dann der Zeiger senkrecht herunter auf halb. Stellt man ihn auf halb und er nähert sich der dritten Viertelstunde, so fliegt auch alsbald wieder eine Dohle darauf und drückt ihn herunter. Man hat sich schon alle Mühe gegeben, die Dohlen wegzubringen, aber vergeblich. Väter der Stadt haben in letzter Zeit vom Gastzimmer des Gasthofes aus, von dem aus man die Vorgänge am Kirchturm gut beobachten kann, wiederholt beim Glase Echten tiefsinnige Betrachtungen angestellt, wie dem Dohlenunfug abzuhelfen sei. Erfolg scheinen diese Betrachtungen aber noch nicht gehabt zu haben, denn die Dohlen halten nach wie vor die Uhr auf halb. Die guten Schivelbeiner setzen nun ihre ganze Hoffnung auf die nächste Dohlengeneration, von der man an der Hand untrüglicher Vorzeichen annimmt, daß sie nicht so gescheit ausfällt wie die jetzige.
Ob die Hoffnung der Väter der Stadt aufging, ist nicht überliefert. Auf diesem alten Bild aus dem Fotoalbum meiner Großmutter ist die Uhr nicht zu erkennen. Ich meine aber, bei meinem letzten Besuch in Schivelbein ein dohlenfreies Zifferblatt mit korrekter Uhrzeit vorgefunden zu haben 🙂


