Ein Bild und ein Bericht über die Proteste und Ausschreitungen in Stettin 1847 hat es sogar in die „Illustrated London News“ vom Mai 1847 geschafft.
Stettin, so heißt es in dem dazugehörigen Text, wäre eine der wichtigsten Städte im preußischen Königreich.
Am 24. April 1847 hätte ein „Mob der Unterschicht“ , vorwiegend aus Frauen und Kindern bestehend, die Kartoffelhändler im Hafen angegriffen und wäre dann weitergezogen um die Bäcker auszurauben. All das geschah am Tag der Messe, so dass auch viele Händler zu Schaden kamen. Es kam schlussendlich zu Feuergefechten mit dem Militär, mehrere Menschen wurden verwundet, zwei starben. Solche Aufstände wäre inzwischen in Deutschland sehr verbreitet.
Wehrmann schreibt darüber in seiner Geschichte der Stadt Stettin 1911:
Als im Jahre 1846 infolge ungewöhnlicher Trockenheit die Ernte sehr schlecht ausfiel und im folgenden Jahre die Preise für Lebensmittel, namentlich für Brot und Kartoffeln, sehr stiegen, da brach in Stettin ein Aufruhr aus. Die niederen Volksmassen, in denen schon länger Unzufriedenheit über Arbeitslosigkeit und Teuerung herrschte, glaubten, die Regierung für alle Not der Zeit verantwortlich machen zu müssen. Am Sonnabend, den 24. April 1847, kam es bereits am Morgen am Bollwerk beim Verkaufe der Kartoffeln zu erregten Auftritten, und es folgte ein Sturm auf einen Oderkahn. Man plünderte ihn und wandte sich gegen die Bäckerläden; bald herrschte vollständiger Aufruhr in der Stadt, gegen den die völlig überraschte Polizei machtlos war. Wie einst 1616 bei dem Biertumulte zogen plündernde Scharen durch die Stadt, so daß die zum Frühlingsmarkte nach Stettin gekommenen Händler schnell ihre Waren zu retten suchten. Endlich am Mittag wurde Generalmarsch geschlagen, Infanterie- und Artillerie-Abteilungen besetzten die Straßen und namentlich die Bäckereien. Als die aufgeregte Menge in der Unterstadt nicht weichen wollte, ja das Militär mit Steinen bewarf, da wurde scharf gefeuert; es floß Blut, und die Massen stoben auseinander. Für die Nacht übernahmen die alten Bürgercompagnien den Wachdienst. Am nächsten Tage wurden neue Versuche zu Plünderungen gemacht, doch sofort mit Gewalt zurückgewiesen. Die „Kartoffelrevolution“ beruhigte das geschäftliche Leben in Stettin auf längere Zeit; man mußte die Verkäufer in polizeilichen oder militärischen Schutz nehmen, einen festen Preis für die Kartoffeln bestimmen, ein Ausfuhrverbot erlassen und die Mahlsteuer auf einige Zeit teilweise aufheben. Die Anstifter und Teilnehmer erhielten harte gerichtliche Strafen.
Ursächlich waren neben einer schlechten Getreideernte in Mitteleuropa im Sommer 1846 auch die wegen Kartoffelfäule um die Hälfte reduzierte Kartoffelernte im Herbst. Berliner Stadtverordnete baten darum den Getreideexport und das Brennen von Schnaps aus Kartoffeln zu verbieten, dem wurde nicht stattgegeben. Im April 1847 waren die Kartoffelpreise auf das fünffache gestiegen.
Über die Ereignisse in Berlin : https://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffelrevolution
weitere Quelle: https://www.preussenchronik.de/begriff_jsp/key=begriff_kartoffelrevolution.html
