Von Alfred Lucht, Swinemünde
in: Monatsblätter der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde, 51. Jahrgang, Nr. 12, Dezember 1937
In dem Fischerdorf Kamp haben sich neben den Hofmarken , durch die man die Geräte der Fischerei, der Land- und der Hauswirtschaft kennzeichnet, noch Merkzeichen erhalten, die zur Unterscheidung der Gänse und Enten dienen. Da nämlich jeder Fischerwirt in Kamp – wenigstens war das früher so – eine ansehnliche Schar von Gänsen und Enten besaß, war es notwendig, die Tiere unterscheiden zu können, zumal die Gänse gemeinsam gehütet wurden.
Markierungstechnik
Die Merkzeichen werden den Tieren, wenn sie noch Gössel und Entenküken sind, in die Schwimmhäute geschnitten. Für jeden Teil der Schwimmhaut gab es eine besondere Bezeichnung:
- 1: linken bütest (links außen)
- 2: linken binnest (links innen)
- 3: rechten binnest (rechts innen)
- 4: rechten bütest (rechts außen)

In einen oder auch mehrere dieser Teile werden nun die Merkzeichen geschnitten. Man nennt dies das „Blattupschnere“ und unterscheidet dabei zwischen „Schnitt“ und „Tung“:
- Schnitt: Ein einfacher Einschnitt.
- Tung (Zunge): Verlangt zwei Einschnitte, durch die eine Zunge entsteht.

Mit diesen Merkzeichen kommt man aus. Nur einmal – bei Nr. 11 – wird zusätzlich die linke Zehe weggeschnitten.
Liste der Fischerwirte und Gänsemarken (Kamp)
Lfd. Nr.
1 Robert Treu
2 Witwe Treu
3 Willi Wachs
4 Otto Neumann
5 Paul Treu
6 Artur Neumann
7 Emil Kemp
8 Gustav Zubke
9 Ernst Ziese
10 Witwe Kemp
11 Emil Treu


