Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des Artikels „Hochzeitsbräuche in der Pfarrei Fritzow um 1750“ von Pastor Strecker, Fritzow. Der Originalartikel, Abschrift als Download erschien im kirchlichen Monatsblatt der Synode Cammin 4-7/1910. Alle Illustrationen stammen von ChatGPT nach den Angaben im Text.

Einleitung und historischer Kontext

Diese Beschreibung der Hochzeitsbräuche in der pommerschen Pfarrei Fritzow um 1750 stammt aus den „Monatsblättern für Pommersche Geschichte und Altertumskunde“ von 1906 und zeigt detailliert, wie Eheschließungen vor 270 Jahren abliefen. Die Schilderung macht deutlich, dass Hochzeiten damals stark ritualisierte, mehrtägige Gemeinschaftsereignisse waren, die nach festen Regeln und Traditionen abliefen.

Die Hochzeitsbitter

Partnerwahl und Ehevorbereitung

Arrangierte Ehen

Die Partnerwahl erfolgte hauptsächlich durch die Eltern oder nächsten Verwandten, nicht aufgrund persönlicher Neigung. Wirtschaftliche Überlegungen standen im Vordergrund – gesucht wurden „gute Wirtschafter“ mit ansehnlicher Mitgift (Betten, Leinwand, Pferde, Kühe, mehrere hundert Taler). Trotz fehlender Liebeswahl waren Zank und Unverträglichkeit in den Ehen selten.

Doppelhochzeiten und strategische Verbindungen

Besonders beliebt waren Doppelhochzeiten, bei denen beispielsweise zwei Söhne einer Familie zwei Töchter einer anderen Familie heirateten. Der älteste Sohn übernahm den väterlichen Hof, der andere ging zu den Schwiegereltern. Verwitwete Personen arrangierten oft Ehen unter der Bedingung, dass ihre Kinder später ebenfalls heiraten und die Höfe übernehmen würden.

Die Hochzeitsbitter und das Hochzeitslied

Rolle der Hochzeitsbitter

Zwei berittene Knechte, geschmückt mit bunten Bändern und Blumensträußen, ritten in jedes Haus und trugen auf der Diele oder in der Stube ihre Einladungssprüche vor. Diese waren teils gereimt und handelten von der religiösen Bedeutung der Ehe.

Das ausführliche Hochzeitslied

Das 25-strophige Hochzeitslied begann mit höflichen Bitten um Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einer theologischen Betrachtung über Adam und Eva als erstes Ehepaar. Es enthielt detaillierte Einladungen zur Hochzeitsfeier, Bitten um praktische Unterstützung (Wagen, Pferde, Gästebeherbergung) und endete mit der Bitte um einen Schluck Bier oder Branntwein für den Boten.

Hochzeitskleidung und Schmuck

Die Brautkleidung

Die Braut trug schwarze Kleidung (bei Wohlhabenden aus Seide), schwarze und wollene Schürzen sowie einen ledernen Brautgürtel mit silbernen, vergoldeten Buckeln. Das auffälligste Stück war die „Flitter-Peik“ – eine hohe Krone mit silbernem Reif und herabhängenden Flittern, die den Grenadiermützen ähnelte.

Zusätzlich gehörten dazu: ein weißer, blau gestärkter Kragen, ein schwarzer Mantel („Hocken“) mit Samtbesatz, ein Rüsch-Brettchen im Nacken und große, stark vergoldete Silberringe. Alle diese wertvollen Stücke gehörten zum Familieninventar und wurden von allen weiblichen Familiengliedern genutzt.

Die Braut

Der Hochzeitstag

Kirchgang und Trauung

Die Braut fuhr mit ihren Begleiterinnen auf einem vierspännigen Wagen zur Kirche, auf dem vorn die Musikanten mit „Piepsack und Violen“ saßen. Der Bräutigam kam mit allen männlichen Verwandten und Dorfknechten zu Pferd geritten, dabei wurde häufig geschossen. Die Wagen wetteiferten um den ersten Platz – wer zuerst bei der Kirche ankam, würde angeblich als nächstes heiraten.

In der Kirche saßen Braut und Bräutigam sich gegenüber. Nach der Trauung führte er sie zum Brautwagen und der Zug eilte nach Hause.

Einlass ins Hochzeitshaus

Das Hochzeitshaus war verschlossen. Der Hochzeitsbitter musste durch ein rituelles Zwiegespräch mit dem Hauswirt Einlass erwirken, wobei er übertriebene Forderungen stellte (Ochsen, Schafsköpfe, Tabak, Pfeifen) und der Hauswirt alles zusagte. Erst dann wurde die Gesellschaft mit Brot und Bier empfangen.

Das Hochzeitsfest

Bewirtung

Das mehrtägige Fest (bis zu 8 Tage) erforderte enorme Mengen: 18 Scheffel Brotkorn, 18 Scheffel Malz, 1 Ochse, 2 Kühe, 2-4 Schweine, 6 oder mehr Schafe plus ungezähltes Federvieh.

Die Speisen

Die Speisefolge war festgelegt:

  1. Süße Grütze (Gerste/Hirse/Reis mit Milch und Butter)
  2. Fische (kalt oder gesalzen)
  3. Rindfleisch mit Zwiebeln
  4. Hammelfleisch mit Weißkohl
  5. Schweinefleisch (Schwarzsauer)
  6. Braten je nach Jahreszeit

Tanzrituale

Nach dem Essen begann der Tanz im Flur. Der erste Tanz war der „lange Streich“, bei dem der Brautdiener die Braut an einem weißen Tuch führte. Gegen Morgen ritt der Bräutigam auf einem Pferd in den Flur, wo ihm die Braut mit Leuchter und Bierkrug entgegenkam – ein symbolischer Höhepunkt der Feier.

Der Bräutigam

Besondere Bräuche

Der Brauthahn

Am Morgen nach der Trauung zogen alle Bewohner des Hochzeitshauses mit Musik von Hof zu Hof, um den „Brauthahn“ zu holen. Bei jedem Nachbarn wurde getanzt, bewirtet und Obst, Nüsse gesammelt. Der gefüllte Sack wurde schließlich aufgeschnitten und der Inhalt unter allen verteilt.

Abschluss der Hochzeit

Die junge Frau trug noch einen Tag den Brautschmuck. Am Tag darauf setzte sie Haube und Mütze auf, fuhr mit verheirateten Frauen zur Kirche und wurde vom Pastor als Ehefrau eingesegnet. Jedem Gast wurde zum Abschied Braten, Bier und Brot mitgegeben.

Fazit

Diese Hochzeitsbräuche zeigen eine stark von Gemeinschaft und Tradition geprägte Gesellschaft, in der Ehen weniger romantische Verbindungen als wirtschaftliche und soziale Allianzen darstellten. Die aufwendigen, mehrtägigen Rituale dienten der Festigung des sozialen Gefüges und der öffentlichen Anerkennung der neuen Eheverbindung. Trotz der arrangierten Natur dieser Ehen betont der Autor, dass sie oft harmonischer verliefen als man erwarten könnte.

 

 

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