Passend zu unserer kleinen Sommerserie zum Notgeld teilte uns Grzegorz Chmielecki aus Darłowo mit, dass er den ersten Band einer Buchreihe über Notgeld aus Rügenwalde veröffentlicht hat. Ein weiterer Band zu Lębork und Łeba ist bereits in Arbeit, weitere sind geplant.

Die Veröffentlichungen ist in polnischer Sprache. Grzegorz Chmielecki schickte uns folgende deutsche Zusammenfassung:

Die vorliegende Publikation bildet den ersten Band der monografischen Reihe Ersatzgeld (Pieniądz zastępczy), die den lokalen Ausgaben von Zahlungsmitteln gewidmet ist, die in Pommern während wirtschaftlicher Krisenzeiten im Umlauf waren. Die Untersuchung konzentriert sich auf Rügenwalde (Darłowo) und Rügenwaldermünde (Darłówko), wo während des Ersten Weltkriegs sowie in der Zeit der Hyperinflation der Weimarer Republik (1914–1924) zahlreiche Formen des Ersatzgeldes (Notgeld) ausgegeben wurden.

Ziel der Arbeit ist es, die Emissionen dieser Zahlungsmittel möglichst vollständig und systematisch darzustellen sowie ihre technischen Merkmale, ihren Entstehungskontext und ihre Funktion im lokalen Wirtschaftsverkehr zu analysieren. Die Publikation behandelt sowohl grundlegende Aspekte des Geldes und seiner Entwicklung als auch die Besonderheiten des Ersatzgeldes, insbesondere dessen Merkmale, Funktionen und historische Rahmenbedingungen.

Einen wesentlichen Teil der Untersuchung bildet die Analyse der in Deutschland geltenden Rechtsvorschriften, mit denen in den Jahren 1922–1923 versucht wurde, die Ausgabe von Notgeld staatlich zu regeln und zu kontrollieren. Am Beispiel von Rügenwalde wird die praktische Anwendung dieser Vorschriften dargestellt, einschließlich der Emissionen durch die städtischen Behörden sowie durch den Unternehmer Georg Schmidthals, deren Gestaltung und Sicherheitsmerkmale den damaligen gesetzlichen Anforderungen entsprachen.

Den Kern der Publikation bildet ein Katalog der Notgeldausgaben von Rügenwalde und Rügenwaldermünde. Die einzelnen Emissionen werden nach einem einheitlichen Schema beschrieben, das Angaben zu Emittenten, Ausgabedatum, technischen Parametern, verwendeten Materialien, Sicherheitsmerkmalen sowie ikonographischen Details umfasst. Berücksichtigt werden zudem zahlreiche Varianten, die sich unter anderem in der Farbgebung, den Wasserzeichen, den Druckereisignaturen oder einzelnen Ausführungsdetails unterscheiden. Das Material wurde chronologisch geordnet, wodurch sich die Dynamik der Entwicklungen während der Krisenjahre, insbesondere in der Zeit der Hyperinflation, nachvollziehen lässt.

Die Publikation macht zudem auf die Vielfalt der Emittenten aufmerksam. Neben der Stadt Rügenwalde und der Gemeinde Rügenwaldermünde traten auch private Emittenten auf, was die Komplexität des lokalen Wirtschaftssystems verdeutlicht. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Ikonographie des Notgeldes als Träger kultureller und gesellschaftlicher Inhalte sowie ihre Rolle bei der Herausbildung lokaler Identität betont.

Die Arbeit zeigt, dass das Ersatzgeld eine unmittelbare Reaktion auf den Mangel an offiziellen Zahlungsmitteln war und zugleich die Anpassungsfähigkeit lokaler Gemeinschaften an Bedingungen wirtschaftlicher Instabilität verdeutlicht. Die erhaltenen Geldscheine und Münzen stellen heute wertvolle historische Quellen dar, die Einblicke in den Alltag, wirtschaftliche Abläufe sowie gesellschaftliche Veränderungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bieten.

Die vorliegende Untersuchung stellt den Versuch dar, den bisherigen Forschungsstand zum Ersatzgeld von Rügenwalde und Rügenwaldermünde systematisch zusammenzufassen. Zugleich bildet sie einen Ausgangspunkt für weitere Forschungen zu den lokalen Notgeldausgaben in Pommern.

Hier zwei Kostproben aus dem Buch:

Das Buch ist nur in Polen erschienen. Bezugsquellen finden sich hier.

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