Im Februar stehen zwei Veranstaltungen zur Familienforschung an, für die man bei winterlichen Temperaturen nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen muss: die deutschsprachige Genealogica und die internationale RootsTech. Wer bisher noch nicht teilgenommen hat, könnte hier eine Entscheidungshilfe finden. Und wer schon mit dabei war, kann in den Kommentaren gerne von seinen oder ihren Erfahrungen berichten und uns allen damit weiterhelfen.

Genealogica

Die Fakten

Die deutsche Online-Messe Genealogica findet vom 9. bis 25. Februar 2024 mittlerweile zum vierten Mal statt. 28 Vorträge und Workshops vom thüringischen Flurnamenprojekt über DNA-Genealogie bis hin zur Familienforschung mit Entnazifizierungsakten versprechen spannende Anregungen. Familienforschung in Pommern ist mit Dr. Klaus Kohrt am 16. Februar vertreten.

In den virtuellen Messehallen kann man an verschiedenen Ständen mit Ausstellern in Kontakt treten – genealogische Vereine oder Anbieter wie Archion oder Heredis. In einer „Plauderecke“ oder über Chatfunktionen kann man sich mit anderen Besucherinnen und Besuchern austauschen. Die Vorträge werden aufgezeichnet und können für einen begrenzten Zeitraum auch noch nachträglich angesehen werden.

Der Zugang zur Genealogica kostet regulär 32 €. Der Frühbuchertarif (27 €) ist bereits abgelaufen.

Meine Einschätzung

Die Premiere der Genealogica im Jahr 2021 war eines meiner genealogischen Highlights in der tristen Corona-Zeit. Das Gefühl, wirklich eine Messe zu besuchen, war fast perfekt nachgebildet. Die Vorträge waren toll, an den Ausstellerständen gab es interessantes Material und man konnte einen sehr guten Überblick bekommen, was sich rund um die Familienforschung tut. Es war ein sehr intensives, spannendes und inspirierendes Wochenende.

Ab 2022 hatte man sich dann entschieden, die Messe eine ganze Woche laufen zu lassen. Das Programm wurde so stärker entzerrt. Ich mochte die „Intensivversion“ des ersten Jahres ehrlich gesagt lieber – sie vermittelte mir ein größeres Gemeinschaftsgefühl. Aber die längere Dauer scheint sich bewährt zu haben.

Die Informationen, die in den Vorträgen vermittelt werden, könnte man sicherlich auch irgendwo anders kostenlos bekommen. Allein auf Youtube gibt es eine Vielzahl von Vorträgen zur Familienforschung. Aber darum geht es bei der Genealogica nicht in erster Linie. Es geht um Inspiration, Austausch, Kontaktaufnahme und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Die Zahl der Aussteller hat sich im Vergleich zum ersten Mal verringert. Auch der Pommersche Greif ist nicht mehr mit einem Stand vertreten – der Aufwand ist groß und die Zahl der Freiwilligen klein. Sollte jemand Lust haben, den virtuellen Stand im nächsten Jahr zu betreuen – der Vorstand des Pommerschen Greif freut sich über jede Meldung.

Dieses Jahr fehlen mir bei den Ausstellern ein wenig die „Exoten“ abseits der klassischen Familienforschung. Beim ersten Mal besuchte ich den Stand von Dorothea Rohde, die sich auf Genogramme spezialisiert hat. Ich hatte keine Ahnung von dem Thema, wurde durch den Stand sehr neugierig und buchte später eine Sitzung mit ihr – eine ganz tolle Erfahrung, die mir ohne Genealogica entgangen wäre. Auch die Vorträge scheinen sich dieses Jahr stärker auf die harten Fakten der Familienforschung zu konzentrieren. Vorträge wie z.B. Bloggen oder Instagram für Ahnenforscher haben mich damals sehr inspiriert.

Kritisiert wurde immer mal wieder, dass die Genealogica Eintritt kostet. Wir Ahnenforscherinnen und -forscher sind ja überwiegend ehrenamtlich tätig und daran gewöhnt, uns kostenlos auszutauschen. Aber es gibt Menschen, die aus der Familienforschung einen Beruf gemacht haben. Das respektiere ich und manchmal beneide ich sie sogar. Aus meiner Sicht rechtfertigt der spürbar große Aufwand den Preis in jedem Fall. Und würde man eine entsprechende Präsenzveranstaltung besuchen, übersteigen schon die Kosten für die Anfahrt den Eintritt um ein Vielfaches. 

Meine Empfehlung

Ausprobieren! Auch wenn es was kostet 🙂

RootsTech

Die Fakten

Die RootsTech findet vom 29.02. bis 02.03.2024 in Salt Lake City, USA statt. Sie wird von FamilySearch veranstaltet und ist primär eine Präsenzveranstaltung. Wer den Weg nach Utah auf sich nimmt, zahlt für alle 3 Tage 109 Dollar Eintritt im Vorverkauf. Die Vorträge werden aber auch im Internet übertragen. Nach einer kurzen Regisitrierung – warum dabei sich bei der Länderauswahl Deutschland zwischen Island und Taiwan befindet bleibt ein Rätsel – hat man kostenlosen Zugang und kann die Vorträge live oder als Aufzeichnung mitverfolgen.

Über die Funktion “Verwandte auf der RootsTech” soll es möglich sein, Veranstaltungsteilnehmer mit denselben Vorfahren während der Messe zu finden. Voraussetzung ist, dass man seinen Stammbaum bei FamilySearch eingepflegt hat. Der deutschsprachige Link führt derzeit allerdings (noch) ins Leere.

Über 250 Vorträge und Workshops stehen zur Auswahl. Ein Großteil der Veranstaltungen ist auf Englisch, aber es gibt auch ein deutsches Angebot. 

Meine Einschätzung

Die RootsTech ist die weltweit größte Veranstaltung auf dem Gebiet der Familienforschung und wird seit vielen Jahren sehr erfolgreich durchgeführt. Schon deswegen sollte man wenigstens ein Mal vorbeischauen und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen. Aus meiner Sicht vereint die RootsTech alle Vor- und Nachteile einer Massenveranstaltung.

Die Auswahl ist riesig. So riesig, dass es mich fast schon überfordert. Aber die Wahrscheinlichkeit, auch für sehr spezielle Fragestellungen eine passende Veranstaltung zu finden, ist hoch. Wer international nach seinen Vorfahren forscht, kann einen guten Einstieg bekommen. Ahnenforschung auf den Philippinen, den Cook Inseln, in der Karibik, in Japan oder Australien – es scheint für fast jede Gegend der Welt einen passenden Vortrag zu geben. Hier sind gute englische Sprachkenntnisse aber unerlässlich.

Das deutsche Angebot ist nicht ganz einfach zu finden. Es scheint im Veranstaltungsprogramm keinen Suchfilter „Sprache“ zu geben oder ich habe ihn trotz recht passabler Englischkenntnisse schlichtweg nicht gefunden. Auch bei einigen Links, die sich auf deutschsprachigen Seiten befinden, landet man im englischsprachigen Angebot. Das macht es für Nicht-Englischsprechende schwer.

Man merkt der RootsTech an, dass sie als Präsenzmesse für sehr viele Menschen konzipiert ist und durchgeführt wird. Die schiere Größe der Veranstaltung – mit etwa 50.000 Teilnehmenden vor Ort muss man rechnen, online sollen es im letzten Jahr drei Millionen gewesen sein – lässt wenig persönliche Atmosphäre aufkommen. Und dann kommt noch die Zeitverschiebung dazu. Aber natürlich ist es beeindruckend, mit so vielen Menschen rund um den Globus für ein paar Stunden oder die vollen drei Tage verbunden zu sein.

Meine Empfehlung

Ausprobieren! Auch weil es nichts kostet 🙂

Diese rein subjektiven Einschätzungen und Empfehlungen, auch geprägt von langen Jahren im Schwabenland, könnt Ihr sehr gerne kommentieren und ergänzen. Ich wünsche uns allen viel Spaß und gute Erkenntnisse bei einer oder beiden Veranstaltungen!

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