Die Pommernfibel

Schulfibeln begleiten Kinder in Deutschland seit über 500 Jahren beim Lesen- und Schreibenlernen. Lange Zeit waren diese Lesebücher konfessionell geprägt – evangelische und katholische Fibeln vermittelten neben dem Alphabet biblische Geschichten und religiöse Unterweisung. Im Zuge der reformpädagogischen Bewegungen Ende des 19. Jahrhunderts entstand ab 1914 eine neue Generation von Fibeln, die bewusst von den konfessionsgebundenen Lesebüchern abrückten. Stattdessen passten diese Regionalfibeln Texte und Bilder an die Lebenswirklichkeit der Kinder in bestimmten Landschaften an. Vorreiter war die 1914 erstmals erschienene „Hansa-Fibel“ des Hamburger Lehrers Otto Zimmermann, die zum Vorbild für zahlreiche weitere Regionalausgaben wurde.

Auf dieser Grundlage erarbeitete der Jugendschriften-Ausschuss des Stolper Lehrervereins die erstmals 1922 erscheinende „Greifen-Fibel – Erstes Lesebuch für die Kinder Ost-Pommerns“. Die Fibel passte Texte und Bilder exakt an die regionale Kultur und Landschaft Ostpommerns an. Mit den Fibelkindern „Lene und Heini“ konnten die Kinder in Geschichten über die pommersche Landschaft, die Ostsee, die Dörfer, die lokale Natur und das damalige Arbeitsleben das Lesen üben.

Pommersche Blätter für die Schule und ihre Freunde, 49. Jahrgang, 1925, S. 187

(mehr …)