Wer Vorfahren im Apothekenwesen hat, findet in Düsseldorf eine ungewöhnliche Quelle: Vesters Archiv für Apothekengeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden Karteikarten und historische Fragebögen jetzt digitalisiert.

Was ist Vesters Archiv?

Das Archiv geht auf den Apotheker Helmut Vester (1913–2001) zurück, der Zeit seines Lebens alles sammelte, was mit der Geschichte der Pharmazie zu tun hatte. Heute ist die Sammlung Teil des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Uniklinik Düsseldorf.

Für Familien- und Ortsforscher ist das Archiv deshalb so wertvoll, weil es weit über die reine Wissenschaft hinausgeht. Es dokumentiert die Lebens- und Arbeitswelt einer Berufsgruppe über Jahrhunderte hinweg.

Die Kgl. priv. Hof- und Garnisonsapotheke in Köslin

Bestände für die genealogische Forschung

Für die Ahnenforschung kommen vor allem folgende Bestände in Betracht:

  1. Biografische Daten: Die Sammlung umfasst umfangreiche Unterlagen zu einzelnen Apothekerpersönlichkeiten. In den sogenannten „Apotheker-Biographien“ finden sich oft Hinweise auf Ausbildungsweg, Wirkungsstätten und familiäre Hintergründe.
  2. Apotheken-Monographien: Wenn Sie wissen, in welcher Stadt Ihr Vorfahre tätig war, bietet das Archiv oft detaillierte Dossiers zur Geschichte spezifischer Apotheken. Diese enthalten nicht selten Listen von Besitzern und Provisoren (Verwaltern).
  3. Berufsständische Quellen: Das Archiv bewahrt Dokumente von Apothekervereinen und Standesorganisationen auf. Diese geben Aufschluss über das soziale Netzwerk, in dem sich Ihre Vorfahren bewegten.
  4. Bildmaterial: Das Archiv verfügt über eine umfangreiche Bild- und Porträtsammlung, die auch Abbildungen einzelner Apotheken enthält.

Wie kann man das Archiv nutzen?

Das Archiv ist eine wissenschaftliche Einrichtung, steht aber nach Voranmeldung interessierten Forschern offen. Es befindet sich am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Düsseldorf.  uniklinik-duesseldorf.de/vester

Da es sich um eine Spezialsammlung handelt, empfiehlt es sich, vorab per E-Mail oder Telefon anzufragen, ob zu einem bestimmten Namen oder Ort Material vorliegt.

Die Pharmaziehistorische Büchersammlung ist weitestgehend digitalisiert auf https://digital.ulb.hhu.de/vester

 

 

 

 

 

Das DFG-Projekt zu Vesters Archiv

Digitalisierung: 500.000 Karteikarten werden online zugänglich

Bislang war Vesters Archiv nur vor Ort in Düsseldorf zugänglich. Im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird der Bestand nun digitalisiert. Ziel ist die Katalogisierung und Online-Zugänglichmachung von rund 500.000 Karteikarten und 8.000 historischen Fragebögen wird katalogisiert und online verfügbar gemacht.

 

Aus dem Digitalisat zu der Rathsapotheke Grimmen
Aus dem Digitalisat zur Raths-Apotheke Kolberg

Bedeutung für die genealogische Forschung

  1. Direkte Quellen von den Vorfahren: Zwischen 1925 und den 1950er-Jahren wurden bundesweite Umfragen durchgeführt. Apotheker füllten damals detaillierte Fragebögen zu ihrem Werdegang (Ausbildung, Stationen, Familie) und zur Geschichte ihrer Apotheken aus. Das bedeutet: Sie finden dort oft Dokumente, die Ihr Vorfahre persönlich ausgefüllt hat – eine Primärquelle aus erster Hand.
  2. Vernetzung über das Kalliope-Portal: Die Daten fließen in das Kalliope-Verbundportal ein. Das ist die zentrale Datenbank für Nachlässe und Autographen in Deutschland. Wenn Ihr Vorfahre also auch Briefwechsel mit Gelehrten führte oder literarisch tätig war, lassen sich diese Spuren nun viel leichter verknüpfen.
  3. Normdaten (GND): Das Projekt sorgt dafür, dass Apotheker als „Personen der Zeitgeschichte“ in der Gemeinsamen Normdatei (GND) erfasst werden. Das hilft Ihnen, Verwechslungen bei häufigen Namen auszuschließen und Lebensdaten quellenkritisch abzusichern.
  4. Open Access & Digitalisate: Schritt für Schritt werden Karteikarten und Fragebögen als Digitalisate barrierefrei zur Verfügung gestellt. Das spart die Reise nach Düsseldorf und ermöglicht die Recherche bequem vom heimischen Schreibtisch aus.

Besondere Merkmale des Bestands

Apotheker gehörten über Jahrhunderte zum städtischen Bildungsbürgertum und zu den lokalen Honoratioren. Die Sammlung dokumentiert nicht nur berufliche Daten, sondern soziale Netzwerke, familiäre Verbindungen und den gesellschaftlichen Wandel vom 19. bis ins 20. Jahrhundert.

Handskizze des Gebäudes der Hof- und Garnisonsapotheke (Stettin) https://de.wikipedia.org/wiki/Hof-_und_Garnisonsapotheke_(Stettin)?uselang=de

Die im Rahmen des DFG-Projekts erschlossenen historischen Fragebögen aus „Vesters Archiv“ lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen, die für die Familien- und Pharmaziegeschichte besonders relevant sind:

  1. Die erste Umfrage (1925/26): Fokus auf die Apotheke

Diese standardisierten Fragebögen konzentrierten sich primär auf die Apothekenobjekte selbst. Abgefragt wurden unter anderem:

  • Historie der Apotheke: Name der Apotheke, Gründungsdatum, Standort und bauliche Veränderungen.
  • Besitzverhältnisse: Eine chronologische Auflistung der Eigentümer, Pächter und Verwalter (Provisoren).
  • Privilegien: Informationen über erteilte Konzessionen oder königliche Privilegien.
  1. Die Umfragen der 1940er und 1950er Jahre: Fokus auf die Person

In diesen späteren Erhebungen kam ein weiterer standardisierter Fragebogen hinzu, der den persönlichen Werdegang der Apotheker detailliert dokumentierte. Diese enthalten oft:

  • Biografische Daten: Geburtsdatum, Geburtsort und Angaben zur Familie.
  • Ausbildungsweg: Details zum Studium, zu Praktika und zur Approbation.
  • Beruflicher Weg: Stationen als Gehilfe, Provisor oder selbstständiger Apotheker sowie Tätigkeiten in der pharmazeutischen Industrie.
  • Persönliche Ergänzungen: Oft liegen den Fragebögen Anlagen wie Korrespondenzen, Fotos oder Zeitungsausschnitte bei.

Quellencharakter der Fragebögen

  • Eigenauskünfte: Im Gegensatz zu Kirchenbüchern oder Melderegistern handelt es sich hier oft um Selbstauskünfte der Vorfahren. Man liest also das, was der Urgroßvater selbst über sein Leben und seine Arbeit zu Protokoll gegeben hat.
  • Systematische Ergänzung: Dr. Helmut Vester hat diese Fragebögen über Jahrzehnte hinweg mit Informationen aus der Fachpresse (ca. 1865–1985), Adressbüchern. Literaturangaben und genealogischen Werken abgeglichen und ergänzt.
  • Umfang: Insgesamt umfasst dieser einzigartige Kernbestand rund 8.000 ausgefüllte Fragebögen samt Anlagen.

Dank der laufenden Digitalisierung werden diese Dokumente nun schrittweise über Portale wie Kalliope und Zenodo zugänglich gemacht, wobei widersprüchliche Angaben zu Lebens- oder Gründungsdaten im Rahmen des Projekts quellenkritisch geprüft werden.

Auf https://zenodo.org/communities/univinsthistmedddf_vaa_/records?q=&l=list&p=1&s=10&sort=newest sind inzwischen fast 3000 dieser Fragebögen digitalisiert abrufbar, ganz grob geht es nach dem Alphabet der Orte, man ist inzwischen beim Buchstaben M angelangt.

 

Enthalten z.B. (nur eine Auswahl) Anklam, Arnswalde, Bahn, Barth, Belgard,, Demmin, Flatow, Greifswald, Greifenberg, Greifenhagen, Grimmen, Gollnow, Massow, Kolberg….

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