Spuk in Tribsow

Ein Beitrag von Jürgen DIEM

 

Über diese Geschichte, die um 1880 in Tribsow spielte, soll sogar in der Camminer Zeitung berichtet haben. Meine Großmutter, die als Elisabeth Haack im Jahre 1894 in Tribsow geboren wurde, hat diese Erlebnisse ihres Vaters Hellmuth Haack so wiedergegeben:

Kartenausschnitt Pommern 1939, Stielers Handatlas, David Rumsey Historical Map Collection

 

Der Tribsower Gutsbesitzer hatte abends noch eine eilige Bestellung für den Müller zu überbringen. Telefon gab es damals noch nicht. Also sagte die Gutsbesitzerfrau ihrem Sohn, er solle mit der Nachricht zur Mühle gehen. Es war aber inzwischen schon dunkel und er wollte nicht allein gehen. Der Weg führte durch einen Hohlweg und es war um diese Tageszeit dort recht ungemütlich. „Geh doch mit Helmuth und nimm die neue Petroleumlaterne mit.“ Mit Helmuth war ich gemeint. Ich war damals Kutscher auf dem Gut und so etwa achtzehn Jahre alt. So wackelten wir beide los. Nachdem der junge Herr seine Aufgabe auf dem Mühlenberg erledigt hatte, machten wir uns wieder auf den Heimweg. (mehr …)

Über den Römischen Katholizismus in Pommern

In den Aufzeichnungen von Dr. Heinrich Berghaus – Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kammin und Hinterpommern Band VII, Kreis Regenwalde findet man einen umfangreichen Beitrag über den Katholizismus in Pommern, den Prof. Dieter Wallschläger nun digitalisiert hat, pdf siehe unten.

Katholische Kirche in Stargard/Pommern, siehe Heimatkreis Stargard, Link: http://www.heimatkreis-stargard.de/Kirchen/Katholische-Kirche.htm

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Die Kolonisten von Ulrichshorst

ein Beitrag von Dirk Mannschatz

 

Die Rechnung, seine Staatsfinanzen auf ein höheres Niveau zu bringen war für Friedrich den Großen recht einfach, je mehr Untertanen – desto höher die Steuereinnahmen. Platz war nach seiner Meinung genug da, er musste nur die überflüssigen pommerschen Sümpfe austrocknen. Das sollte auch auf der Insel Usedom zu machen sein. Und genau dafür war Herr von Brenckenhof genau der Richtige, dieser entwässerte den Tuhrbruch über den Gothensee und ließ seinen Gehilfen, den Geheimen Domänenrat Ulrich – auf einer Sandzunge die ins Moor führte – ein Dorf errichten. Dieser wiederum fand das geschaffene so toll, dass er demselbigen seinen Namen verpasste: Ulrichsdorf? Nein nicht so gut, Ulrichshorst ist besser. Jetzt fehlten nur noch die entsprechenden Bewohner, diese mussten natürlich, damit die Rechnung vom großen Fritz aufging, aus dem Ausland kommen.

Ulrichshorst, im Bild unten rechts sind noch gut zwei Doppelhäuser zu erkennen. Foto: Dirk Mannschatz

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Tempel- Geschichte und Kultur eines über 700 jährigen pommerschen Dorfes

Neuerscheinung: Tempel – Geschichte und Kultur eines über 700 jährigen pommerschen Dorfes von Elmar Koch, Ribnitz-Damgarten 2021 im Selbstverlag

Tempel ist jetzt ein Stadtteil von Ribnitz Damgarten, war aber bis 1973 eine eigenständige Gemeinde. Die Idee zur Abfassung entstand 2018, als Tempel die Ersterwähnung von 1318 im Rahmen des alljährlichen Dorffestes feierte. Durch im Ort Ansässige sowie den Pommerschen Geschichts- und Heimatverein Damgarten e. V. entstand das Buch durch Zeitzeugenbefragungen und Archivrecherchen.

Das Buch hat 156 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen und ein Orts- und Namenregister.

Preis 12 €, Bezug über tempel1318@yahoo.com

 

Beitrag zu den aktuellen Überlegungen wegen der menschenverachtenden NS-Volkshygiene

Ein Beitrag von Wolfram Stratmann

 

Vor Jahren habe ich wegen der Euthanasie recherchiert. Dabei stellte sich heraus, dass die NS-Eugenik einen vorhandenen Zeitgeist aufnahm und dann pervertierte. So wurde die Selbstreinigung der Herrenrasse, die Volkshygiene formuliert. Dazu fand ich zwei Dissertationen, die ich wegen des Computerabsturzes derzeit nicht wieder finde. Beide beschreiben unvorstellbare Grausamkeiten und weisen auf wichtige Quellen. Dort zeigte sich, dass die Gerüchte der 1950er Jahre über die NS-Begründungen für Todesfälle in Kliniken den Tatsachen entsprechen. Diese gegenüber der Bevölkerung angeführten Begründungen für den Tod von Verwandten waren teilweise grotesk unglaubwürdig, wurden jedoch von den linientreuen Nazi-Familien geglaubt. So starben viele von den der Selbstreinigung der Herrenrasse zugeführten Personen an einem Eiterpickel oberhalb der Oberlippe. Tatsächlich wurden diese Personen bereits während der Anreise zur Klinik, oder beim Aussteigen aus Fahrzeugen bei der Ankunft getötet. Viele der Selbstreinigung zugeführten Kinder wurden mit Arbeit und Disziplin umgebracht. Das geschah in Zusatzlagern von KZs. Diese wurden teilweise als Erziehungsheime bezeichnet. Dafür hatte man die Strafmündigkeit auf sechs Jahre heruntergesetzt. Säuglingen verabreichte man Psychopharmaka und ließ sie in Kliniken verhungern. Es gab auch eine Verschleierung der Todesorte und Todeszeiten. Das geschah, weil man aus dem Gesundheitssystem und von den Familien Geld für die Rüstung generierte. Dabei wurden einige Orte zentral als Todesorte genannt. Die Tötungen fanden im gesamten Deutschen Reich statt. Die NS-Rassenhygiene wurde nach dem 08. Mai 1945 nicht vergessen, sondern nur verboten. Ansätze zur Beschreibung des unbegreiflichen NS-Tuns finden sich in den folgenden Auszügen des Buches „Im Land ohne Vergangenheit“. Dieses nennt einen Fall aus der Nachkriegszeit als Beispiel. Die Rechte für den Text liegen bei mir, deshalb verzichte ich hier auf genaue Zitatangaben zu diesem Buch. (mehr …)

Das Unglück von Zachow, Kreis Regenwalde 1855

Vor ca. drei Jahren sprach mich unser Mitglied und Forscherfreund Christian Müller-Henze an, ob ich mal etwas davon gehört hatte, dass es im Jahre 1855 ein Unglück in Zachow Kreis Regenwalde gegeben hatte. Natürlich musste ich das verneinen, ich wusste es nicht, ja sogar unser absoluter Regenwalde-Experte Siegfried Hannemann hatte davon noch nie gehört …

Christian Müller-Henze fand durch die Bearbeitung eines online-Ortsfamilienbuches in den Kirchenbuchduplikaten zehn Ertrunkene Personen, davon neun Kinder, alle ertrunken am 27. Mai 1855.

Seltsam, ja, das war wirklich seltsam, also begaben wir uns auf die Suche. In Büchern, in Unterlagen, im Internet, aber: Es war schlicht vergebens, nirgends konnten wir irgendetwas finden, es schien ein Mysterium zu bleiben.

Dann aber, erst kürzlich wurden wir fündig, (mehr …)

SCHEINTOT oder TOT? – Methoden zur Überprüfung im 19. Jahrhundert

Ein Beitrag von Martina Riesener

 

Die Angst, als Scheintote(r) lebendig begraben zu werden, gehört vermutlich zu den Urängsten der Menschen. Durch die Jahrhunderte hinweg wird von Toten berichtet, die bei Graböffnungen in bizarren Haltungen, mit aufgerissenen Augen und blutigen Fingern in zerkratzten Särgen aufgefunden wurden.

So wurden bereits in der Antike die römischen Leichenwäscher angewiesen, vermeintlich Verstorbene wiederholt mit warmem Wasser zu reinigen und diese dazu auch mehrfach laut mit dem Namen anzusprechen. Erfolgten darauf keine Lebenzeichen, wurden erst dann die weiteren Vorbereitungen zur Bestattung vorgenommen.

In den folgenden Epochen versuchte man dieser Angst, lebend im Grab aufzuwachen und dort dann zu ersticken, dann in auch mit unterschiedlichsten, zum Teil skurrilen Methoden entgegenzuwirken – neben langen Aufbahrungszeiten oder einem Stich ins Herz sowie der Öffnung der Pulsadern – wurden zudem auch spezielle technische Vorrichtungen entwickelt. Dazu gehörten unter anderem mit Gas gefüllte Särge oder offene Särge, die mit Erde zugeschüttet wurden, wobei beide Möglichkeiten zu einem schnellen Erstickungstod führen sollten. (mehr …)

Registrierte Selbsttötungen 1945 in Güstrow

Massensuizide gab es in den letzten Kriegstagen in ganz Deutschland, vor allem im Osten. Der bekannteste Massensuizid fand in Demmin statt. In der DDR war das Thema jahrzehntelang ein Tabu, die genauen Opferzahlen sind bis heute nicht bekannt. [1]

Ein Mitglied des Greifs fand nun das interessante Forschungsprojekt „Die kampflose Übergabe Güstrows im Jahr 1945“ der Stadt Güstrow in Mecklenburg.

Rathaus Güstow, Foto: Schiwago, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

In der Anlage 2, kurz „Registrierte Selbsttötungen 1945 im Bereich des Standesamtes Güstrow“, werden hunderte Namen mit der festgestellten Art der Selbsttötung aufgeführt, z. B. Selbstmord durch Vergiftung, Ertrinken, Erhängen, Erschießen, Pulsaderschnitt. Ein grausames Kapitel deutscher Geschichte.

Unter den Namen befinden sich auch zahlreiche Pommern! In der Regel sind die Vor- und Zunamen enthalten, woher die Person ursprünglich stammte, wann und wie ums Leben gekommen und außerdem die Nummer der Sterbeurkunde. Gibt es Fußnoten (am Ende der Datei befindet sich eine umfangreiche Annotation!) werden noch mehr Daten, teilweise auch Geburtsdaten genannt.

Da ist zum Beispiel die Familie Heiden aus dem Kreis Greifenhagen: Eheleute Hans (im Sterberegister des Standesamtes als „angeblicher Polizeibeamter“ ausgewiesen) und Emma mit ihren Kindern Margret, Anneliese und Annegret (geboren am 29. November 1944), sowie dem Pflegekind Christa (geboren am 27. Dezember 1938), die alle am 4. Mai 1945 den „Freitod durch Erhängen“ fanden.

Diese Liste ist ein weiteres nachahmenswertes Beispiel, wie offen Gemeinden mit einem unangenehmen Kapitel der Vergangenheit umgehen können.

Diese Liste dürfte für einige Pommernforscher Lücken schließen, die nach dem Verbleib ihrer Angehörigen nach der Flucht aus Pommern suchen!

Ein weiteres Beispiel für die Recherche haben wir vor ein paar Monaten vorgestellt, die Flüchtlingslisten aus Ribnitz-Damgarten.

Haben Sie ähnlich interessante Entdeckungen zum Verbleib von Pommern nach der Flucht 1945 gemacht? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

 

 

[1] https://www.bpb.de/mediathek/290178/ueber-leben-in-demmin