Am Rande des Naturschutzgebiets Goor bei Lauterbach / Ortsteil der Stadt Putbus auf Rügen findet sich ein langgestreckter Begräbnisplatz mit fast 100 Kreuzen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 gelangten Tausende Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten über die Ostsee nach Rügen. In Lauterbach wurden viele von ihnen in provisorischen Baracken untergebracht.
Aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen, schwerer Mangelernährung und körperlicher Entkräftung brach in den Unterkünften eine Typhus-Epidemie aus. Die geschwächten Menschen – darunter viele Säuglinge, Kinder und ältere Menschen – erlagen der Seuche oder der allgemeinen Körperschwäche.
Auf dem langgestreckten Sonderfriedhof am Waldrand ruhen knapp 100 namentlich bekannte Opfer, die im Jahr 1945 und 1946 starben. Es handelt sich vorwiegend um Zivilisten und ganze Familien, die auf der Flucht ihr Leben verloren.
Bei einem Urlaubsbesuch auf Rügen fand Madlen Winkler diesen Friedhof. Sie hat die Grabsteine fotografiert und dem Stolper Heimatkreise e. V. zur Verfügung gestellt:
https://stolp.de/suchanzeigen.html unter dem Punkt „Vertriebenengräber bei Lauterbach auf Rügen“
Auf Google Maps ist der Friedhof verzeichnet unter https://maps.app.goo.gl/QwjKABpKprsAzFof6 und bei 54.344965° n.Br. 13.513968° ö.L. zu finden.
Auch Peter Plath hatte 2014 die Grabsteine für die Grabsteindatenbank des Vereins für Computergenealogie fotografiert https://grabsteine.genealogy.net/namelist.php?cem=2235&lang=de:
Bei Archion ist jetzt das Kirchenbuch Vilmnitz einsehbar.
Hier findet sich auch die Liste der „im Lager Lauterbach verstorbenen Flüchtlinge 1945-1946“. Diese Liste stimmt mit den auf dem Friedhof vorhandenen Grabsteinen überein.
Pastor Schwarz vermerkte hier:
„Das Lager wurde am 25. März aufgelöst und soll nicht wieder belegt werden. Die Beerdigungen fanden jeden Montag und Donnerstag statt. Der Friedhof dieser armen Flüchtlinge liegt am Nordrand der Goor in der Nähe des Friedrich Wilhelm Bad, und zwar am Wege, der vom Friedrich Wilhelm Bad am Nordrand der Goor in die Goor führt. Die Gräber liegen in einer Reihe bis auf 3 oder 4, durch die die 2. Reihe begonnen wurde.
Vilmnitz, am 28. März 1946
gez. Schwarz, Pastor
So kann die bisher bekannte Liste der Namen mit Geburtsdaten und -orten ergänzt werden. Die Flüchtlinge stammten aus Pommern, Westpreußen, Ostpreußen und weiteren Regionen.
Liste der Toten mit Geburtsdatum und Geburtsort – Abschrift: Namensliste-Lauterbach
Liste der Toten, teils hand- teils maschinenschriftliches Original aus dem Kirchenbuch Vilmnitz https://www.archion.de/p/ad5342bd82/ : Bestattungen-Lauterbach (abgerufen am 28.8.2026)
