Archäologen der Stiftung „Relicta“ haben in den Wäldern nahe der Siedlung Zagrody (bei Sławoborze, dt. Stolzenberg), rund 36 km südlich von Kolberg, die Überreste der mittelalterlichen Stadt Stolzenberg lokalisiert und bestätigt. Obwohl der Name in historischen Quellen bis 1644 auftauchte, war der genaue Standort der Stadt über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Lange gebräuchliche Flurbezeichungen wie Altstadt, Spital oder Hofspital erinnerten noch bis ins 20. Jahrhundert an diese Periode. Ob eine Pest Epidemie zur Aufgabe des Städtchens beigetragen hat?

Berghaus schrieb z.B. 1867 im „Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen“ Teil 3 Bd.1 :
Die Stadt erstreckte sich über eine Fläche von etwa sechs Hektar. Sie war von einem Wall und einem Graben umgeben, der heute noch eine Tiefe von bis zu 5,5 Metern aufweist. Dank moderner Technik (LiDAR-Scans und geophysikalische Untersuchungen) konnten die Forscher über 1.500 Unregelmäßigkeiten im Boden feststellen. Diese deuten auf einen regelmäßigen Stadtgrundriss hin – mit einem zentralen Marktplatz, Bürgerparzellen und einer Hauptstraße, die zum Stadttor führte.
Es wurden über 400 Metallgegenstände gefunden, darunter Werkzeuge, Gürtelbeschläge, Fibeln (Gewandnadeln) sowie mittelalterliche Münzen (Brakteaten aus Stettin und Stralsund).
Die Stadt wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts gegründet (Radiokarbondatierungen bestätigen eine Existenz in den frühen Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts). Vermutlich wurde Stolzenberg von den brandenburgischen Markgrafen (Neumark) als Grenzstadt angelegt.
Die Stadt existierte nur zwei bis vier Generationen, also circa 50 bis 100 Jahre und wurde unter bisher ungeklärten Umständen aufgegeben. Es gibt keine Anzeichen für eine gewaltsame Zerstörung oder einen Brand, was darauf hindeutet, dass die Einwohner die Stadt nach und nach verlassen haben könnten (möglicherweise aus wirtschaftlichen Gründen).
Dass die Ruinen so gut erhalten sind, liegt paradoxerweise am Wald. Da das Gelände über Jahrhunderte bewaldet blieb und nie modern überbaut oder durch intensive Landwirtschaft (Pflügen) zerstört wurde, blieben die Erdwälle und die Fundamente unter der Oberfläche nahezu unberührt.
Die Entdeckung gilt als Sensation, da es sehr selten ist, eine komplett erhaltene mittelalterliche Stadtanlage zu finden, die nicht durch spätere Epochen überlagert wurde. Die Forscher planen nun weitere Ausgrabungen, um die genauen Gründe für das Ende der Stadt zu klären.
Danke an Jack Williams für den Hinweis.
Quellen: https://www.polskieradio.pl/400/7764/artykul/3649939,mittelalterliche-stadt-stolzenberg-entdeckt
Aus der Chronik des Ortes Stolzenberg, Otto Nolte, Sonderdruck der Kolberger Zeitung 1964

