In den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin steht nun ein herausragendes Werk der spätfriderizianischen Militärkartographie frei zugänglich zur Verfügung: die „Special Situations Carte von Vor und Hinter Pommern zum Gebrauch eines hohen Militair-Departements“, gefertigt 1786/87 vom Ingenieur-Geographen C. F. Zierhold.
Zierhold trug den Titel eines Ingenieur-Geographen – eine Berufsbezeichnung für preußische Militärbeamte der Landesvermessung im Offiziersrang, die im späten 18. Jahrhundert mit der systematischen topographischen Erfassung der preußischen Territorien beauftragt waren. Biographisches zu ihm findet sich leider nicht.

Das Kartenwerk umfasst 35 Blätter im Format je 89 × 55 cm und wurde im Maßstab 1:50.000 erstellt – dazu noch eine Übersichtskarte im Maßstab 1:400 000. Entstanden im militärischen Auftrag, dokumentiert es Vor- und Hinterpommern kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges und in der Ära der preußischen Heeresreform unter Friedrich dem Großen.
Solche Situationskarten liefern heute wertvolle Quellen zur Siedlungs-, Verkehrs- und Landschaftsgeschichte der pommerschen Region im ausgehenden 18. Jahrhundert. Als handgezeichnete Unikate waren die Karten ausschließlich für den internen Staatsgebrauch bestimmt – und damit über Jahrhunderte der Öffentlichkeit verborgen.
Hartnack (s.u.) schreibt: Für die Zierholdsche Karte hat offenbar die Schmettausche zugrunde gelegen. Eine eigene Aufnahme dürfte Zierhold nicht vorgenommen haben; denn er stimmt mit Schmettau in der gesamten Situationszeichnung wörtlich überein. Selbst kleine gelegentliche Bemerkungen bringt er in demselben Wortlaut und genau an derselben Stelle an wie Schmettau und übrigens auch Schulenburg…. Zierhiold gibt verhältnismäßig wenig topographische Namen, und die Siedelungsbezeichnungen sind vollständig, vollständiger noch als bei Schmettau. Und in der Siedelungsdarstellung unterscheidet sich Zierhold wesentlich von seinen Vorgängern; hierin wendet er für Besitzungseinheiten, die bei Schulenburg seltener, bei Schmettau nicht immer klar zu erkennen sind, eine rote Punktmanier an, die auf einen Blick hin klar erkennen läßt, wieviel Höfe ein Dorf hat. Er verzichtet darauf, die einzelnen Gebäude, die zu einem Hof gehören, kenntlich zu machen, er zeichnet auch nicht, wie seine beiden genannten Vorgänger, die Gärten einer Siedelung, sondern lediglich die Zahl der Besitzeinheiten, d. i. in dörflichen Siedelungen jener Zeit wohl auch zugleich die Zahl der selbständigen Haushaltungen. In der Darstellung dieser Verhältnisse ist Zierhold sehr genau und hat auf seiner Karte sicher den neuesten Stand angegeben, hat sie wohl auch laufend gehalten.
Auf der Übersichtskarte finden sich sehr blass die Blattschnitte in roten römischen Ziffern. In der folgenden Übersichtskarte sind die Blattschnitte ganz grob mit arabischen Ziffern angegeben und vielleicht etwas besser lesbar als im Original.
Zu allen 35 Karten: https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/suche?queryString=PPN1961420929
Die letzte Zahl der Kartennummer gibt die Blattnummer an. (z.B. Kart. N 7519/10-35 ist Blatt 35)
Weiterführender Lesestoff:
Kartographisches Quellenmaterial Pommerns Von Wilhelm Hartnack (in: Hartnack, Wilhelm: Die Küste Hinterpommerns unter besonderer Berücksichtigung der Morphologie. Greifswald, Geographische Gesellschaft, 1926. II. Beiheft zum 43/44. Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Greifswald. Vorbemerkungen. II. Das Quellenmaterial, insonderheit das kartographische. S.7-34)
https://digibib.studienstelleog.de/themen/kartographie/KT.Hartnack_KartPom_1a.pdf

