
Aus Grenzzeitung 19/1937 http://bibliotekacyfrowa.eu/dlibra/show-content/publication/75761/edition/69465/
Stolper Dickbier war „flüssiges Brot“
Den Ruf der Bierbrauerstadt genoß Neustettin / Rügenwalde erzeugte die „Mumme“
Die Zeit des Bockbieranstiches ist wieder einmal gekommen. Einbeck, dem das Bier seinen Namen verdankt, war im Mittelalter durch seinen „Bock“ ebenso bekannt, wie etwa Breslau durch den „Schöps“, Eisleben durch das gefürchtete „Krabbel an der Wand“ oder Stade durch den „Kater“. Wenn man damals in Pommern an das Bier die Anforderung stellte, „schapp muß et sin, un bißche schal et“ – so schienen die ehrsamen pommerschen Bierbrauer und die Bauern in Grimma, welche das „Bauchweh“, oder deren Berufsgenossen in Güstrow, die den „Kofreizer“ herstellten, nur noch von der Jenaer Kunst übertroffen worden zu sein, deren Braupfannen der „Wort und Totschlag“ entstammte. – Wenn heute mehrere großen Brauereien der Provinz ihr Bier zum Versand bringen, so hatte damals jede Stadt ihr eigenes Bier.
Keines zu guter Rufs erfreute sich das Kolberger Bier. Wenigstens behauptet Herzog Franz, der auf dem Jagdschloß Kasimirsburg (zwischen Kolberg und Köslin) mit seinem Freund, dem Bischof, die Sommermonate mit Fischen und Jagen zubringt, daß man ihm „böses Bier“ aus Kolberg geliefert habe, welches man nicht vertun solle“ Beeinflußten damals die mißlichen Wasserverhältnisse das Kolberger Bier, so verdankt das weit über Pommern hinaus bekannte „Barther Bier“ seine Güte dem vorzüglichen dort genutzten Quellwasser. Für die Güte diese sehr herrlichen Bieres“ spricht der Umstand für sich und dafür, daß die Nachbarstadt Stralsund für besondere Festlichkeiten, wie etwa den „Lotschmaus“ der Tuchhändler , „Barther Bier“ einführte, und auf bei besonderen Gelegenheiten in Stettin „Barther Bier“ auf die Tafel kam. Generalsuperintendent Jacob Fabricius, der in Köslin geborene einstige Feldprediger Gustav Adolfs, gab diesem Bier den Vorzug. Guter Bierverhältnisse erfreute sich Regenwalde. Das Bier war so „handfest“, daß es „klebte“. In Pasewalk wurde unter der Bezeichnung „Pasenel“ ein Bier gebraut, das nicht nur jenseits der pommerschen Grenze, sondern auch im Auslande verzapft wurde.
Den Ruf einer „Bierbrauerstadt“ genoß Neustettin, und Greifswald braute einen Trank, den die Demminer Geistlichen einführen durften. Wenn in einem Reisebericht erwähnt wird, daß man sich in Garz a. Oder an „weltberühmten, guten, trefflichen, wohlschmeckenden und gesunden“ Garzer Bier genügt getan haben, so war das die beste Reklame.
Aus vier Scheffeln Malz für je eine Tonne braute man in Stolp „Dickbier“, dem nachgerühmt wurde es sei „flüssiges Brot“. Der „Buckhinger“ und die „Brusepuse“ waren Wolliner Erzeugnisse, die aller Wahrscheinlichkeit nach dem Berliner Weißbier geähnelt haben dürften. Die in der Rügenwalder Schlossbrauerei des pommerschen Herzogs aus ungedarrtem Malz erzeugte „Mumme“ erfreute sich besonders in Danzig und Polen der gleichen Beliebtheit wie das in Stettin gebraute „Bitterbier“.
Barther Bier: https://stadt-barth.de/barth-lexikon/detailansicht/bier-barther-bier.html

