Pommersche Silvesterbräuche Teil 2
Pommersche Silvesterbräuche.
Von Prof. Dr. A. Haas, Stettin.
(Fortsetzung)
Umzüge und Maskengestalten
Die dritte Gruppe der Silvesterbräuche bezieht sich darauf, Menschen und Tiere, Haus und Hof, Feld und Flur an den Segnungen des neuen Jahres teilnehmen zu lassen. Hierher gehören in erster Linie die mannigfachen Umzüge, die in Stadt und Land von vermummten Burschen ins Werk gesetzt werden oder doch bis vor wenigen Jahrzehnten ins Werk gesetzt wurden.
Auf der Halbinsel Jasmund fand bis vor 60‑65 Jahren der „Umzug der Stirnkieker“ am Silvestertage statt. Es waren 25 Männer; die hatten weiße Hemden an und weiße Hüte auf; ihre Aermel waren mit buntem Band verziert. Einer von ihnen hielt einen großen Stern aus Papier, der 2‑3 Fuß im Durchmesser hatte und an einem langen Stock befestigt war; auf der Spitze des Stockes brannte ein Licht. So zogen sie von Dorf zu Dorf und in den einzelnen Dörfern von Haus zu Haus und sammelten allerlei Gaben ein. Dabei kam eine längere Dichtung zum Vortrag, die teils rezitiert, teils gesungen wurde. Der Eingang, der gesprochen wurde, lautete:
„Wir kommen in das Haus getreten
Und haben uns keine Erlaubnis gebeten,
Ein Liedchen auch zu singen.“
Darnach wurde gesungen:
„Wir kommen hier ohn allen Spott.
Einen guten Neujahr geb uns Gott!
Einen guten Neujahr und fröhliche Zeit,
Die uns unser Herr Christus hat bereit.
Wir wünschen dem Herrn Gesundheit dabei,
Das soll mei’m Herz eine Freude sein!
Wir wünschen der Frau eine vergoldete Kron,
Aufs künftige Neujahr einen gesunden Sohn“ usw. (mehr …)





