„Eine Zierde dieser freundlichen Stadt“ – Die Synagoge von Schivelbein

Ein Haus im Herzen der Stadt

Bereits seit 1821 besaß die jüdische Gemeinde Schivelbeins eine Synagoge, die „59 Jahre hindurch die Schivelbeiner Juden bei freudigen und schmerzlichen Anlässen aufgenommen“ hatte. Das Gotteshaus lag zentral in der damaligen Neustadt – der späteren Glasenappstraße – schräg hinter der Marienkirche, und nur wenige Schritte vom Schivelbeiner Marktplatz entfernt.

Diese Lage im Herzen der Stadt war keineswegs selbstverständlich. Die Entscheidung, die Synagoge nicht – wie in vielen anderen deutschen Städten jener Zeit – verborgen in einem abgelegenen Viertel zu errichten, sondern in Nachbarschaft zur christlichen Kirche, zeugt davon, dass jüdisches Leben in Schivelbein als selbstverständlicher Bestandteil der städtischen Gesellschaft galt. (mehr …)

Die pommersche Pottmütze

Bildquelle: Baltische Studien Neue Folge, Bd. 39, 1937

Die pommersche Pottmütze war einst das markante Wahrzeichen der Fischerbauern auf dem Mönchgut, einer Landzunge im Südosten der Insel Rügen. Heute erlebt sie eine kleine Renaissance – als Symbol regionaler Identität und traditionsbewusster Handwerkskunst.​

Herkunft und Funktion

Die Pottmütze stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurde von Fischern und Bauern getragen, um sich gegen den rauen Ostseewind zu schützen. Sie bestand aus der robusten Wolle der rauhwolligen pommerschen Landschafe, war oft bunt gemustert gestrickt und mit einer großen Quaste verziert. Besonders in Dörfern wie Gager oder Göhren auf Rügen gehörte sie zur Alltagskleidung der Männer – Tag und Nacht.​ (mehr …)

Wie ein Brandenburger die Reformation in Pommern vorantrieb

Zum Reformationstag am 31. Oktober hat sich Thomas Kraft mit dem Leben und Wirken des Reformators Johannes Knipstro, dem ersten Generalsuperintendenten für Pommern-Wolgast, auseinandergesetzt.

Am 20. Januar 1518 führten der Ablasshändler Johann Tetzel sowie der Professor und seit 1505 Gründungsrektor der Universität Frankfurt an der Oder (auch Alma Mater Viadrina genannt) Konrad Wimpina (um 1460‒1531, eigentlich Konrad Koch) eine Disputation durch, welche die 95 Thesen Luthers widerlegen sollte. Tetzel hatte die Absicht, Luther, der ihm das Geschäft mit den Ablassbriefen verdorben hatte, mit Hilfe von Wimpina zur Strecke zu bringen.

Ein Franziskanermönch aus einem schlesischen Konvent mit dem Namen Johannes Knipstro (auch Knipstrow) widersprach ihren Ausführungen. Er wurde zur „Besserung“ ins Kloster Pyritz (Pommern) verwiesen. Knipstro wurde am 1. Mai 1497 in Sandau (Elbe) geboren, welches bis 1354 zur brandenburgischen Altmark gehörte. Genau wie der hl. Franziskus von Assisi trug er keine Schuhe und galt als Barfüßer. Der Spruch „aus den Augen, aus dem Sinn“ traf für seine Versetzung jedoch nicht zu. Schon 1521 stand Knipstro auf der Kanzel der Klosterkirche und verkündete die Lehren Luthers. Bald wünschten sich die Bürger von Pyritz, dass er in der Mauritiuskirche predigen möge. Der Bischof von Cammin (Pommern) wollte ihn daraufhin gefangen nehmen, aber der pommersche Herzog Bogislaw X. holte ihn nach Stettin.

Seine weiteren Stationen waren Stargard, Stralsund und Greifswald. Im Jahre 1535 berief ihn Herzog Philipp I. zum Hofprediger in Wolgast und machte ihn kurze Zeit später zum ersten Generalsuperintendenten von Pommern-Wolgast. Er wurde von Johannes Bugenhagen (1485‒1558, genannt Dr. Pomeranus) eingeführt. In Greifswald lehrte er ab 1539 und war auch zeitweise Rektor.

Er verstarb am 4. Oktober 1556 in Wolgast und wurde in der Pfarrkirche beigesetzt. Neben Bugenhagen war er die treibende Kraft für die Verbreitung des Reformationsgedanken in Pommern.

Erntesitten in Grumbkow (Kreis Stolp)

Aus dem Heimatkalender für Ostpommern auf das Jahr 1931

Auf fast allen Gütern unserer ostpommerschen Heimat sind die oft Jahrhunderte alten Sitten und Gebräuche noch lebendig. Ein treues, eng mit der Heimatscholle verbundenes Arbeitergeschlecht pflanzte sie fort, und seine Arbeitgeber ließen es mit Genugtuung gewähren in der sicheren Erkenntnis, daß alles, was die Heimat einst hervorgebracht hat, echt und wahr und heilig ist und zum Bestande gehört, wie alles tote und lebende Inventar. Sie halfen stets freudig mit, die Beachtung alter Sitten zu vertiefen und aus manchem an sich bescheidenen Dingen wirkliche Volksfeste zu gestalten, wenn auch die Verhältnisse in andauernd immer wiederkehrender Notzeiten manchmal am liebsten andere Wege hätten weisen mögen.

Hier soll von den alten Gebräuchen erzählt werden, die sich um den Kranz um die Erntezeit legen, indem sie die Ernte eröffnen, begleiten und schließen. In Grumbkow bestehen zurzeit noch drei solcher Gebräuche, die alle Jahre mit großer Freudigkeit neu auferstehen: Das Binden, das Bringen des Alten und das Erntefest.

Auf Ernte Urlaub. Quelle: Stettiner Stadt- und Landbote (5. Jahrgang, 1897) 

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Plattes Land – Vom Volksmund in die Verwaltungssprache

Plattes Land – das klingt nach weiter Sicht, tiefem Himmel und gemächlichem Leben zwischen Feldern und Alleen. In Pommern ist der Ausdruck fest verankert. Was zunächst wie eine rein volkstümliche Wendung klingt, ist weit mehr: ein Begriff mit Geschichte – und Amtssiegel.

Ursprünglich stammt die Bezeichnung aus dem Niederdeutschen und beschreibt das flache, offene Land Norddeutschlands – eine Landschaft, wie sie auch für Pommern typisch ist. Doch der Ausdruck blieb nicht in der Alltagssprache stecken. Wer in alten Verwaltungsakten blättert, merkt schnell: „Plattes Land“ wurde auch ganz offiziell verwendet.

In Pommern diente der Begriff dazu, das ländliche Umland klar von den Städten abzugrenzen. Ob Baupolizeiordnungen, Steuerregelungen, Volkszählungen oder Zuständigkeitsfragen – das „platte Land“ tauchte regelmäßig in amtlichen Vorschriften auf. Es bezeichnete nicht nur eine geographische Gegebenheit, sondern auch eine rechtlich definierte Kategorie.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts fand der Ausdruck auch außerhalb Norddeutschlands Verbreitung. Was einst das norddeutsche Hinterland meinte, wurde im gesamten deutschen Sprachraum zum Synonym für das Ländliche, Nicht-Städtische – und damit zum festen Bestandteil der Verwaltungssprache.

„Plattes Land“ – ein Ausdruck, der vom Volksmund bis in die Gesetzestexte wanderte – und damit ein Stück regionaler Identität in den amtlichen Sprachgebrauch überführte.

Der Zusammensturz des Thurmes der Jacobikirche in Stettin

Aus der Berliner Illustrierte Zeitung vom 25.2.1894

Der mächtige Orkan, der in den Tagen vom 10. bis 12. d. M. in ganz Deutschland wüthete, hat bekanntlich an nicht wenigen Orten bedeutenden materiellen Schaden angerichtet, nicht zum wenigsten auch in der Reichshauptstadt. Am empfindlichsten dürfte aber doch wohl Stettin betroffen worden sein.

Die Jacobikirche in Stettin nach dem Orkan vom 12. d. Mts. (Februar 1894)

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Das Seebad Rügenwaldermünde: Eine Pioniertat an der Ostsee

Die Vision eines Arztes

Im frühen 19. Jahrhundert, als Europa unter den napoleonischen Kriegen ächzte, fasste Dr. Georg Friedrich Büttner in Rügenwalde einen kühnen Plan: An der Mündung des örtlichen Flusses sollte ein Seebad entstehen. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein gewagtes Unterfangen. Die Staatskassen waren durch die Kriegskosten geleert, die Städte kämpften ums Überleben, und niemand dachte an Luxus wie Kurbäder.

Doch Büttner ließ sich nicht entmutigen. Mit diplomatischem Geschick wandte er sich direkt an den König und bat um die Erlaubnis, eine große Scheune vom Schlosshof nutzen zu dürfen. Als die königliche Genehmigung eintraf, machte sich der findige Arzt ans Werk: Die Scheune wurde Balken für Balken abgetragen und an der Flussmündung als erstes Badehaus wieder errichtet.

Rügenwaldermünde um 1895, Quelle fotopolska.eu

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Sommerfrische

Unter dem Motto „Sommerfrische“ haben wir in diesem Sommer die pommerschen Ostseebäder in unseren Beiträgen in den sozialen Medien in loser Folge ins Visier genommen.  Dazu passt hervorragend ein neues Video in der ARD-Mediathek: Die Geschichte der deutschen Seebäder an der Ostsee
https://www.ardmediathek.de/video/unsere-geschichte/die-geschichte-der-deutschen-seebaeder-an-der-ostsee/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjE5MjUyOF9nYW56ZVNlbmR1bmc

Badekarren waren eine praktische Lösung, um den gesellschaftlichen Anstand beim Baden zu wahren und gleichzeitig einen gewissen Komfort zu bieten. Sie boten Sichtschutz beim Umziehen , Diskretion beim Betreten des Wassers und Schutz vor dem Wetter.
Badekarren 1893, Wilhelm Dreesen, Public domain,

Das älteste Seebad Pommerns zwischen Lauterbach und Neuendorf hatte Fürst Wilhelm Malte zu Putbus 1816 eingerichtet. Dieses Seebad bestand zunächst nur aus Zelten und Badekarren, später folgten das Herren- und Damenbad. 1818 entstand das Badehaus in Goor.

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