Wihnachtsschaul
von Helma v. Gaudecker-Kerstin
„Is dit Johr all wedder Wihnachtsschaul in‘t Schloß?“ So fragen 40 Kinder der kleinen hinterpommerschen Dorfschule; denn es ist seit langem Sitte, daß die Gutsarbeiterkinder zu Weihnachten von ihrer Herrschaft beschenkt werden. Ob es wohl wirklich wieder so sein wird? Das Sündenregister des vergangenen Jahres ist doch recht umfangreich und wenn es nun nach Verdienst und Würdigkeit geht, wird die Geschichte doch recht fraglich. Wer mag wohl im Sommer in den sauren Kirschbäumen in der Allee erwischt worden sein? Da werden dann die beiden Herrschaftskinder, die auch die Dorfschule besuchen, vorsichtig ausgehorcht, ob es diesmal wieder „Wihnachtsschaul“ sein wird. Doch die hüllen sich in geheimnisvolle Unkenntnis und müssen nur im Auftrag ihrer Mutter alle Namen aufschreiben. Dabei stellt man dann beruhigend fest, daß niemand übergangen ist, und vielleicht doch keiner dem angedrohten Gericht über Kirschendiebe verfallen wird. Man muß eben noch ein Weilchen weiter zappeln zwischen Hoffen und Bangen und inzwischen gut Weihnachtsgeschichte und Lieder bei der Frau Pfarrer lernen. (mehr …)








