Dirk Schleinert 2006 Foto PD via Wikimedia CommonsWie die Ostseezeitung in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, wurde Dr. Dirk Schleinert als neuer Direktor des Stadtarchivs vom Hauptausschuss der Stadt Stralsund gewählt. Der 1966 geborene Schleinert sollte – soweit es seine bisherige Stelle als Archivar in Sachsen-Anhalt zulässt, – zum 1. November beginnen. Erschwerend für die weiteren Planungen hat die ehemalige Archivdirektorin Nehmzow gerade ihren Prozess gegen die fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht gewonnen. Man spricht davon, dass das Arbeitsverhältnis wohl wieder hergestellt werden müsse, aber nicht in einer leitenden Position. (mehr …)
Holger Roggelin und Burkhard Kunkel von der Stadt Stralsund
Die „Causa Stralsund“ ist immer noch im Fokus des öffentlichen Interesses. Klaus Graf hat einen ausführlichen Artikel mit einer Zusammenfassung der Ereignisse bei Libreas veröffentlicht : „Lehren aus der Causa Stralsund: Mehr Schutz für historische Bestände“, der Erfolg der Petition wird oft zitiert und als Beispiel genannt – wobei man den Eindruck hat, dass sich inzwischen ein Petitionswelle über die Bürger ergießt Ich habe gerade sogar eine mir völlig unbekannte Petition zum Thema Stralsund gefunden, die aber null Unterstützer hatte.
In Stralsund selber ist die Stelle des Leiters des Stadtarchivs neu ausgeschrieben wobei ich mich besonders über die Forderung „Latinum und Kenntnisse weiterer europäischer Sprachen wie Englisch und Schwedisch sind wünschenswert“ freue, die bisherigen Stelleninhaber waren nach meinen Informationen des Lateins nicht mächtig. (mehr …)
Abb. aus Orthotypographia, Hornschuch, Kramer, Leipzig 1634 via commons.wikimedia
Den Buchdruck hat Gutenberg 1450 erfunden, in Pommern wurde die erste Druckerei in Stettin erst 1569 durch einen Buchdrucker aus Frankfurt/Oder gegründet. Gedruckt wurde in Stettin (jeweils das Jahr der Gründung der Druckerei), Greifswald (1581), Barth (1582), Stralsund (1628), Colberg (1653-58), Stargard (1671) Cöslin (1816), Stolp (1825), Demmin (1832), Anclam (1833), Pasewalk (1833), Wolgast (1840) und Putbus (1835). Wie auch bei anderen Gewerken, wurde die Kunst des Buchdruckes oft in der Familie weitergegeben., das Officin mit den Maschinen weitervererbt. Wer also einen Buchdrucker unter seinen Vorfahren hat kann sich vermutlich glücklich schätzen.
Gottlieb Mohnicke hat 1840 in seinem Buch „Die Geschichte der Buchdrucker-Kunst in Pommern “ viele Namen und Fakten von Buchdruckern gesammelt. Auch Bestallungsurkunden und Privilegien sind abgedruckt. Leider fehlt der online-Ausgabe, die bei der Bayerischen Staatsbibliothek gescannt wurde, die gefaltete Beilage: Der typographische Greif, zuerst gesetzt im Jahre 1682.
Rathaus Stralsund Foto softeis cc-by-sa via commons.wikimedia.org
Die Online-Petition „Rettet die Stralsunder Archivbibliothek “ wurde über den Jahreswechsel 2012/13 von 3682 empörten Menschen unterschrieben, die gegen den Ausverkauf von Kulturgut durch die Stadt Stralsund bzw. deren Archivpersonal protestieren wollten.
Noch während der Laufzeit der Petition, die auch durch unseren Verein tatkräftig unterstützt wurde, begannen erste Rettungsmaßnahmen.
Zur Historie des Ganzen finden Sie in diesem Blog unter dem Stichwort „Stralsund“ viele Beiträge.
Inzwischen liegt die offizielle Antwort der Stadt Stralsund an den Initiator Philipp Maaß auf die Überreichung der Petition vor, Sie können sie im vollen Wortlaut unten lesen. (mehr …)
Es hat wohl in Stralsund heute wieder einen großen „Pressetermin“ gegeben, neben der üblichen lokalen Berichterstattung durch die Ostseezeitung gibt es auch Berichte in überregionalen Zeitungen (meist auf dpa basierend) und im NDR. Sogar die Ostseezeitung hat ein eigenes Video produziert. Was ist da los?
Schon letzte Woche wurde berichtet, dass die teuren reinen Werkbänke zur Reinigung der Bücher jetzt eingetroffen sind und in Betrieb genommen werden können. Insgesamt käme man rechnerisch auf eine Dauer der Reinigung von 25 Jahren. Heute wurde nun berichtet, dass man auch die Hilfe externer Profis in Anspruch nehmen wolle, so dass sich die Dauer der Maßnahmen auf vielleicht 3-4 Jahre reduzieren würde. Die für mich aber beruhigendste Tatsache war die Anwesenheit von zwei wirklichen Experten: Dr. Falk Eisermann, Referatsleiter der Abteilung Wiegendrucke in der Staatsbibliothek Berlin und Dr. Christoph Mackert, Leiter des Handschriftenzentrums an der Universitätsbibliothek Leipzig. (mehr …)
Wie die Ostseezeitung berichtet, wird in der nächsten Woche nach Installation von zwei speziellen Werkbänken die Reinigung der verschimmelten Bücher im Stadtarchiv Stralsund beginnen. Schenkt man dem Bericht Glauben, müssen 88 000 verschimmelte Bücher gereinigt werden, was mit zwei Arbeitskräften 25 Jahre dauern soll. Auf der Webseite der Stadtarchivs wird von einem Bestand von 125 000 Büchern berichtet, zurückgekehrt aus der Gymnasialbibliothek waren knapp 6000 Bände. War also weit mehr vom Schimmel betroffen als nur die Gymnasialbibliothek?
Bei begründetem und nachgewiesenem wissenschaftlichen sowie persönlichen Interesse ist nach Angaben der Stadt ein eingeschränkter Benutzerdienst voraussichtlich ab der 5. Kalenderwoche 2013 möglich.
„Inzwischen wurde der Verkauf der Gymnasialbibliothek rückgängig gemacht.“Man darf aber nicht vergessen, dass wesentliche Teile des Bestandes verloren sind.
Die entlassene Archivdirektorin klagt jetzt vor dem Arbeitsgericht.
„Unsere“ Petition steht jetzt, 5 Tage vor Schluss, bei ca. 3630 Stimmen, wird also wohl nicht die Zahl der Stimmen für Mainz erreichen. Von diesen Stimmen kommen ca. 200 aus Stralsund, aber 500 aus dem Ausland. Schade um die geringe Beteiligung aus der Stadt selber, aber vielleicht auch verständlich: In einer wirtschaftlich gebeutelten Region ist den Menschen vieles wichtiger als „alte schimmelige Bücher“. Wie hieß es doch in einem Leserbrief in der Ostseezeitung am 24.11.2012? „Ich selbst habe gern einmal auf die umfangreichen Bibliotheksbestände des Archivs zurückgegriffen, konnte ich mir doch dadurch manche Fahrt nach Greifswald in die Universitätsbibliothek ersparen, muss aber auch hinzufügen, dass es sich oft um ältere Auflagen von Werken zur pommerschen Geschichte handelte, die letztlich im wissenschaftlichen Diskurs heute nicht mehr ohne Weiteres zitierfähig sind, d. h., deren Wert auch dadurch eingeschränkt ist.“ ? Da schüttelt man den Kopf.
Zeit um ein vorläufiges Fazit zu ziehen.
Kurz nochmal die Vorgeschichte: Am 17.10.2012 wurde durch eine Pressemitteilung der Stadt Stralsund bekannt, dass das Stadtarchiv wegen Schimmelbefall geschlossen werden musste. (mehr …)
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